Factoring ist für viele KMU ein Gamechanger: Offene Forderungen werden innerhalb von 24–48 Stunden zu Liquidität. Doch Factoring ist nicht für jedes Unternehmen sinnvoll — und die Kosten variieren erheblich.
Wie Factoring funktioniert
- Sie stellen Ihrem Kunden eine Rechnung
- Sie reichen die Rechnung beim Factoring-Anbieter (Factor) ein
- Der Factor zahlt Ihnen sofort 80–90 % des Rechnungsbetrags
- Der Kunde zahlt fristgerecht an den Factor
- Der Factor zahlt Ihnen den Restbetrag minus Gebühren
Factoring-Arten im Überblick
| Art | Beschreibung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Echtes Factoring | Factor übernimmt das Ausfallrisiko | KMU mit vielen verschiedenen Kunden |
| Unechtes Factoring | Ausfallrisiko bleibt beim KMU | Günstiger, wenn Kunden sehr bonität |
| Stilles Factoring | Kunde erfährt nichts vom Factoring | Sensible Geschäftsbeziehungen |
| Offenes Factoring | Kunde zahlt direkt an Factor | Standard-Variante, günstigste Konditionen |
| Einzelfactoring | Nur einzelne Rechnungen verkaufen | Gelegentlicher Bedarf |
| Vollfactoring | Alle Forderungen werden abgetreten | Dauerhafte Liquiditätslösung |
Kosten realistisch kalkulieren
Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus:
- Factoring-Gebühr: 0,5–3 % des Rechnungsbetrags (abhängig von Branche, Volumen, Kundenbonität)
- Zins auf die Vorauszahlung: 3–8 % p.a. auf den vorfinanzierten Betrag
- Einrichtungsgebühr: Einmalig 500–2.000 €
- Prüfgebühren: Für Bonitätsprüfung der Debitoren
Rechenbeispiel: 100.000 € Rechnungsbetrag, 90 % Sofortauszahlung, 1,5 % Gebühr, 5 % Zins, 45 Tage:
- Gebühr: 1.500 €
- Zins: 90.000 € × 5 % × 45/365 = 555 €
- Gesamtkosten: 2.055 € (= 2,06 % des Rechnungsbetrags)
Vorteile für die Liquiditätsplanung
Factoring verbessert Ihre Cashflow-Prognose erheblich:
- Zahlungseingänge werden planbar (24–48 Stunden nach Rechnungsstellung)
- DSO sinkt auf quasi null — massive Verbesserung der Liquiditätskennzahlen
- Bilanzverkürzung: Forderungen fallen weg, Cash steigt
- Kreditwürdigkeit verbessert sich
Wann Factoring nicht sinnvoll ist
- Sehr niedrige Margen (Factoring-Kosten fressen den Gewinn)
- Wenige Großkunden (Klumpenrisiko für den Factor)
- Baubranche mit Abschlagszahlungen (komplexe Abrechnungsstruktur)
- B2C-Geschäft (Factoring funktioniert nur im B2B-Bereich)
Anbieter auswählen
Wichtige Kriterien:
- Branchenerfahrung — spezialisierte Factorer kennen Ihre Branchenrisiken
- Mindestvolumen — viele Anbieter fordern 100.000–500.000 € Jahresumsatz
- Vertragslaufzeit — Einzelfactoring vs. 12-Monats-Vertrag
- Digitaler Prozess — Upload-Portal, API-Anbindung an Buchhaltungssoftware
Fazit
Factoring ist ein leistungsstarkes Liquiditätsinstrument für KMU mit B2B-Forderungen und langen Zahlungszielen. Vergleichen Sie die Kosten ehrlich mit Alternativen wie der Kreditlinie und wählen Sie den Anbieter, der zu Ihrer Branche und Ihrem Volumen passt.