LiquiditätsplanerSmarte Liquiditätssteuerung
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Handwerk · 12-Monats-Planung

💧Liquiditätsplanung für Handwerk

Im Handwerk ist die Liquiditätsplanung der häufigste Grund für Unternehmenskrisen — nicht mangelnde Aufträge. Handwerksbetriebe haben mit 35 % Materialeinsatz und 30 % Personalkosten eine solide Kostenstruktur, doch das Problem liegt im Zahlungsverzug: Kunden zahlen erst nach 14 Tagen oder deutlich später, während Löhne, Materialrechnungen und Fahrzeugkosten sofort fällig werden. Zusätzlich belasten witterungsbedingte Ausfälle im Winter die Auftragslage, und Großprojekte binden über Monate Kapital, das erst mit der Schlussrechnung zurückfließt. Wer im Handwerk seine Zahlungsströme nicht vorausschauend plant, arbeitet profitabel auf dem Papier — aber hat kein Geld auf dem Konto.

Liquiditätsplanung ist die systematische Erfassung aller erwarteten Zahlungseingänge und -ausgänge über einen definierten Zeitraum. Im Gegensatz zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) betrachtet sie nicht Erträge und Aufwände, sondern tatsächliche Geldflüsse — wann genau Geld ein- und ausgeht. Für den Bereich Handwerk bedeutet das: Saisonale Schwankungen, Zahlungsziele und branchenspezifische Kostenstrukturen müssen berücksichtigt werden.

Wichtig zu verstehen
Liquidität ≠ Gewinn. Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem illiquide werden, wenn Einnahmen und Ausgaben zeitlich auseinanderfallen. 82% aller Insolvenzen in Deutschland sind nicht auf mangelnde Profitabilität zurückzuführen, sondern auf Zahlungsunfähigkeit.
25.200 €
Break-Even-Umsatz
pro Monat benötigt
25%
Deckungsbeitrag
nach variablen Kosten
139.650 €
Empfohlene Reserve
3 Monatsausgaben

Herausforderungen in der Handwerk

Jede Branche hat eigene Liquiditätsrisiken. In der Handwerk sind es vor allem diese Punkte, die Unternehmer regelmäßig in Schwierigkeiten bringen:

Zahlungsverzug und Forderungsausfall: Im Handwerk zahlen Kunden im Durchschnitt 14 Tage nach Rechnungsstellung — tatsächlich dauert es bei Privatkunden oft 21–30 Tage und bei Großprojekten mit Generalunternehmern 45–60 Tage.
Vorfinanzierung von Material: Für jeden Auftrag müssen Sie Material einkaufen und bezahlen, bevor der Kunde zahlt. Bei einem 20.000-€-Projekt mit 35 % Materialanteil legen Sie 7.000 € aus, die erst Wochen später zurückkommen.
Winterlücke bei Außengewerken: Dachdecker, Maler, Gerüstbauer und Garten-Landschaftsbauer erleben von November bis Februar massive Umsatzeinbrüche, während Leasing-Raten, Löhne und Versicherungen weiterlaufen.
Nachtragsmanagement bei Bauprojekten: Zusätzliche Leistungen werden oft erbracht, aber nicht zeitnah berechnet. Die Folge: Sie finanzieren Mehrarbeit vor, die Ihnen erst nach zähen Verhandlungen vergütet wird.
Fahrzeug- und Maschinenkosten: Ein typischer Handwerksbetrieb hat 3–5 Fahrzeuge und Spezialwerkzeug mit Leasing-Raten von insgesamt 2.000–5.000 € monatlich — eine Fixkostenposition, die auch bei Auftragsflauten weiterläuft.
Fachkräftemangel und Lohnkosten: Um qualifizierte Gesellen und Meister zu halten, müssen Handwerksbetriebe übertariflich zahlen. Die Lohnspirale belastet die Liquidität, ohne dass die Stundenverrechnungssätze im gleichen Maß steigen.

Saisonalität richtig einplanen

Saisonalität: Winter ruhig · Frühjahr–Herbst Hochsaison

Planen Sie ab Oktober gezielt Innenarbeiten und Wartungsaufträge, um die winterliche Außengewerke-Flaute auszugleichen — Renovierungen, Sanitärinstallationen und Heizungswartungen sind wetterunabhängig.
Nutzen Sie die Wintermonate für bezahlte Weiterbildungen und Meisterkurse Ihrer Mitarbeiter: Die Kosten sind steuerlich absetzbar, und Sie verlieren keine produktiven Tage in der Hauptsaison.
Schließen Sie im Frühjahr Rahmenverträge mit Stammkunden ab (z. B. Hausverwaltungen, Kommunen): Planbare Aufträge über das ganze Jahr stabilisieren Ihren Cashflow und ermöglichen bessere Materialeinkaufskonditionen.
Bilden Sie in den umsatzstarken Monaten (April–Oktober) eine Rücklage von mindestens 1,5 Monatsgehältern, um die Wintermonate ohne Kurzarbeit oder Kreditaufnahme zu überbrücken.
Praxis-Tipp
Dein Break-Even-Umsatz liegt bei ca. 25.200 € pro Monat. In schwachen Monaten musst du diesen Wert trotzdem erreichen — oder vorher genug Rücklagen bilden. Plane in starken Monaten mindestens 15–20% des Überschusses als Saisonpuffer ein.

📊Kostenstruktur: Handwerk im Detail

Die Kostenstruktur in der Handwerk hat typische Merkmale, die du bei der Liquiditätsplanung berücksichtigen musst. Hier ist die Aufschlüsselung:

35%
Wareneinsatz / Material
vom Umsatz
40%
Personalkosten
vom Umsatz
5.300 €
Fixkosten gesamt
pro Monat
25%
Deckungsbeitrag
= 25 Cent pro € Umsatz

Einnahmen-Kategorien

Typische Einnahmenquellen: Aufträge, Wartungsverträge, Sonstige. Erfasse jede Quelle einzeln — so siehst du, welche Umsatzströme verlässlich sind und wo Schwankungen drohen.

Variable Kosten

Variable Kosten (Material, Personal, Fahrzeugkosten) steigen und fallen mit dem Umsatz. Bei 35% Wareneinsatz und 40% Personalkosten bleiben dir nur 25% Deckungsbeitrag, um alle Fixkosten zu tragen.

Fixkosten

Fixkosten fallen unabhängig vom Umsatz an: Miete/Werkstatt, Nebenkosten, Versicherungen, Marketing, Steuerberater, Sonstige Fixkosten, Kredit-Tilgung. Zusammen ca. 5.300 € pro Monat — diese Summe muss dein Deckungsbeitrag mindestens tragen.

Der Materialanteil von 35 % ist ein Durchschnitt — bei Elektrikern und SHK-Betrieben kann er bei 40–45 % liegen, bei Malern und Raumausstattern dagegen bei 20–25 %. Kennen Sie Ihre spezifische Quote und passen Sie die Liquiditätsplanung entsprechend an.
Die tatsächlichen Personalkosten liegen durch Sozialabgaben, Urlaubsgeld, SOKA-Bau-Beiträge (bei Baugewerken) und Auslöse/Verpflegungsmehraufwand oft 50 % über dem Bruttolohn. Ein Geselle mit 3.500 € brutto kostet Sie real 5.200–5.500 € monatlich.
Fahrzeugkosten werden oft unterschätzt: Leasing, Versicherung, Wartung, Kraftstoff und Verschleiß summieren sich bei einem Transporter auf 800–1.200 € monatlich pro Fahrzeug. Bei drei Fahrzeugen sind das 30.000–40.000 € im Jahr.
Werkzeug und Kleinmaterial (Verbrauchsmaterial, Schrauben, Dichtungen, Reinigungsmittel) summieren sich auf 2–4 % des Jahresumsatzes — ein oft vergessener Posten, der bei der Liquiditätsplanung fehlt.
Haftpflicht- und Berufshaftpflichtversicherungen im Handwerk kosten je nach Gewerk 2.000–8.000 € jährlich. Die Prämien werden oft halbjährlich oder jährlich fällig und belasten die Liquidität dann spürbar.

⚙️Schritt 1: Grunddaten im Setup konfigurieren

Der Setup-Tab ist dein Startpunkt. Hier legst du die Grunddaten fest, aus denen der gesamte 12-Monats-Plan berechnet wird. Die branchenspezifischen Voreinstellungen für Handwerk geben dir einen realistischen Ausgangspunkt.

Branche wählen
🍽Gastronomie
🛍Einzelhandel
🔧Handwerk
💼Dienstleistung
Grunddaten
Monatsumsatz (brutto)53.550 €
Wareneinsatz30%
Personal35%
Anfangsbestand15.000 €
Saisonalität: Jan −30% · Sommer +15–20% · Dez +30%
Der Setup-Tab: Branche wählen, Grunddaten anpassen, sofort loslegen.

Anfangsbestand richtig erfassen

Trage deinen aktuellen Kontostand ein (voreingestellt: 25.000 €). Das ist die Basis, von der aus alle Berechnungen starten. Prüfe deinen tatsächlichen Kontostand — nicht den, der auf dem letzten Kontoauszug steht, sondern den nach Abzug aller bereits erteilten Lastschriften und offenen Überweisungen.

Monatsumsatz realistisch ansetzen

Der voreingestellte Monatsumsatz von 55.000 € ist ein Branchendurchschnitt. Passe diesen Wert an deine tatsächliche Situation an. Wenn du unsicher bist, nimm den Durchschnitt der letzten 6 Monate — und ziehe 10% als Sicherheitspuffer ab.

Saisonale Anpassung

Die Saisonkurve (Saisonalität: Winter ruhig · Frühjahr–Herbst Hochsaison) wird automatisch auf alle 12 Monate angewendet. Du kannst im Planungs-Tab jeden Monat einzeln feinjustieren, falls dein Geschäft vom Branchendurchschnitt abweicht.

Tipp
Starte mit den Branchenwerten und passe sie an. Es ist besser, mit realistischen Defaults zu starten und zu optimieren, als bei Null zu beginnen.

📋Schritt 2: 12-Monats-Planung erstellen

Im Planungs-Tab verfeinerst du die Zahlen Monat für Monat. Die interaktive Tabelle funktioniert wie ein Spreadsheet — klicke auf jede Zelle und passe den Wert an. Alle Berechnungen (Monatssaldo, kumulierte Liquidität) aktualisieren sich sofort.

KategorieJanFebMärAprMaiJun
Einnahmen (Brutto)
Speisen31.5k33.8k38.3k42.8k49.5k51.8k
Summe31.5k33.8k38.3k42.8k49.5k51.8k
Variable Kosten (Brutto)
Wareneinsatz9.4k10.1k11.5k12.8k14.8k15.5k
Personal11.0k11.8k13.4k15.0k17.3k18.1k
Fixkosten (Brutto)
Miete + NK6.8k6.8k6.8k6.8k6.8k6.8k
Monatssaldo4.3k5.1k6.6k8.2k10.6k11.4k
Die 12-Monats-Planungstabelle: Einnahmen und Ausgaben editierbar wie in Excel.

Einnahmen konservativ planen

Plane Einnahmen eher konservativ. In der Handwerk sind deine typischen Einnahmenquellen: Aufträge, Wartungsverträge, Sonstige. Berücksichtige realistische Zahlungsziele (30 Tage in deiner Branche) und saisonale Schwankungen.

Alle Ausgaben erfassen

Vergiss keine Position! Variable Kosten (Material, Personal, Fahrzeugkosten) schwanken mit dem Umsatz. Fixkosten (Miete/Werkstatt, Nebenkosten, Versicherungen, Marketing, ...) fallen jeden Monat an. Denke auch an Einmalzahlungen wie Steuervorauszahlungen, Versicherungsprämien (oft jährlich/halbjährlich) und Investitionen.

Monatssaldo und Liquidität verstehen

Der Monatssaldo zeigt dir den Cashflow eines einzelnen Monats (Einnahmen minus Ausgaben). Die kumulierte Liquidität ist dein laufender Kontostand über alle Monate. Wird die kumulierte Liquidität negativ, droht ein Liquiditätsengpass — dann musst du handeln.

Identifiziere Monate mit negativem Saldo frühzeitig
Prüfe, ob Investitionen in umsatzstarke Monate verschoben werden können
Plane Kontokorrentkredite als Sicherheitsnetz ein
Verhandle längere Zahlungsziele mit Lieferanten für schwache Monate

🏛️Schritt 3: Umsatzsteuer korrekt einplanen

Die Umsatzsteuer ist einer der größten unterschätzten Liquiditätskiller. Bei 55.000 € Monatsumsatz fließen schnell 5.225 €+ pro Monat ans Finanzamt ab — Geld, das auf dem Konto liegt, aber dir nicht gehört.

USt-Voranmeldung
Monatlich
Vierteljährlich
Dauerfristverlängerung
USt-BerechnungJanFebMärAprMaiJun
USt vereinnahmt5.9856.4137.2688.1239.4059.833
Vorsteuer3.8884.1664.7235.2806.1116.398
Zahllast2.0972.2472.5452.8433.2943.435
Speisen: 19%Wareneinsatz: 19%Personal: 0%Miete: 0%Marketing: 19%
USt-Berechnung: Vereinnahmte USt minus Vorsteuer = Zahllast ans Finanzamt.

Voranmeldezeitraum wählen

Wähle im Setup, ob du monatlich oder vierteljährlich USt voranmeldest. Monatlich: Zahlung jeweils im Folgemonat (z.B. Januar-USt fällig am 10. Februar). Vierteljährlich: Zahlung im Monat nach Quartalsende. Bei vierteljährlicher Abgabe ist die Zahlung höher, aber seltener — das birgt die Gefahr, das Geld zwischendurch auszugeben.

Dauerfristverlängerung nutzen

Die Dauerfristverlängerung verschiebt deine Abgabe- und Zahlungsfrist um einen Monat. Das gibt dir mehr Spielraum. Beantrage sie beim Finanzamt — bei monatlicher Abgabe musst du eine Sondervorauszahlung (1/11 der Vorjahres-Zahllast) leisten.

Nutzen Sie die Ist-Versteuerung: Im Handwerk, wo Zahlungsziele von 14–30 Tagen üblich sind, zahlen Sie die USt erst, wenn der Kunde tatsächlich gezahlt hat — statt schon bei Rechnungsstellung. Das kann Ihre Liquidität um mehrere Tausend Euro entlasten.
Bei Bauleistungen greift das Reverse-Charge-Verfahren (§13b UStG): Wenn Sie als Subunternehmer an einen anderen Bauunternehmer leisten, schuldet der Auftraggeber die USt. Achten Sie auf korrekte Rechnungsstellung, denn Fehler führen zu doppelter Belastung.
Planen Sie bei Großprojekten die USt-Vorauszahlung auf Abschlagsrechnungen ein: Jede Abschlagsrechnung löst eine USt-Pflicht aus, die in der Voranmeldung des Rechnungsmonats fällig wird — auch wenn der Kunde erst später zahlt.
Investieren Sie in ein neues Fahrzeug oder eine Maschine, können Sie die gesamte Vorsteuer im Anschaffungsmonat geltend machen. Planen Sie große Anschaffungen daher in umsatzstarke Monate, um die USt-Vorauszahlung zu drücken.
Praxis-Tipp
Richte ein separates Unterkonto (Tagesgeld) ein und überweise nach jeder Kundenrechnung sofort 19% des Netto-Betrags dorthin. So ist die USt-Zahlung immer gedeckt und du gibst das Geld nicht versehentlich für andere Dinge aus.

📈Schritt 4: Kennzahlen und Reports nutzen

Der Reports-Tab gibt dir die wichtigsten Kennzahlen automatisch berechnet auf Basis deiner Planwerte. Nutze diese Zahlen für Bankgespräche, Investitionsentscheidungen und die monatliche Kontrolle.

35%
Deckungsbeitrag
35%
Personalquote
2.4 Mon.
Liquiditätsreserve
Einnahmen vs. Ausgaben (in Tsd. €)
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Einnahmen Ausgaben
Reports: KPIs, Einnahmen vs. Ausgaben, Liquiditätsprognose auf einen Blick.

Die wichtigsten Kennzahlen

3+ Mon.
Cash Runway
Wie lange reicht der Kontostand?
25.200 €
Break-Even
Mindestumsatz pro Monat
25%
Deckungsbeitrag
Beitrag zur Fixkostendeckung

Cash Runway: Wie viele Monate kannst du mit dem aktuellen Kontostand die laufenden Kosten decken? Ziel: mindestens 3 Monate. Bei monatlichen Kosten von ca. 46.550 € brauchst du mindestens 139.650 € als Reserve.

Liquiditätsgrad: Verfügbare Mittel im Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sollte über 100% liegen. Working Capital (Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten) sollte positiv sein.

USt-Zahllast: Vereinnahmte USt abzüglich Vorsteuer. Bei 55.000 € Umsatz können das 5.225 €+ pro Monat sein — ein oft unterschätzter Abfluss.

Bankgespräche
Exportiere deinen Plan als CSV und bringe ihn zum Bankgespräch mit. Ein durchdachter Liquiditätsplan verbessert deine Verhandlungsposition bei Kreditanfragen erheblich.

🎯Praxis-Tipps für Handwerk

Basierend auf den typischen Herausforderungen in der Handwerk — hier sind die konkreten Maßnahmen, die du sofort umsetzen kannst:

Führen Sie eine getrennte Barkasse für Kleinmaterialeinkäufe und tanken: Pauschal 500–800 € monatlich sind realistisch, werden aber oft nicht erfasst und fehlen dann in der Liquiditätsplanung.
Nutzen Sie das Baukindergeld und andere Förderprogramme als Verkaufsargument: Kunden, die Förderungen erhalten, zahlen schneller und zuverlässiger — positionieren Sie Ihr Angebot entsprechend.
Verhandeln Sie mit Ihrem Steuerberater eine quartalsweise Zwischenauswertung (BWA): Im Handwerk ändern sich die Kostenstrukturen saisonal stark, und eine jährliche Auswertung kommt zu spät.
Prüfen Sie, ob das Saison-Kurzarbeitergeld (für Baugewerbe und Außengewerke) für Ihren Betrieb infrage kommt: Von Dezember bis März können Sie damit die Personalkosten um 50–60 % senken.
Investieren Sie in digitale Aufmaß- und Rechnungssoftware: Betriebe, die das Aufmaß vor Ort digital erfassen und die Rechnung noch am gleichen Tag versenden, erhalten ihr Geld durchschnittlich 8 Tage früher.
Setzen Sie auf Materiallieferung direkt auf die Baustelle: Lagerhaltung im eigenen Betrieb bindet Kapital und verursacht Handling-Kosten. Just-in-Time-Lieferung spart Platz und Liquidität.
Schließen Sie eine Forderungsausfallversicherung für Aufträge über 10.000 € ab: Die Prämie von 0,3–0,8 % des abgesicherten Betrags ist gering im Vergleich zum Risiko eines Totalausfalls.

Liquiditätspuffer für Handwerk

Halte mindestens 3 Monatsausgaben (ca. 139.650 €) als Liquiditätsreserve. In der Handwerk mit saisonalität: winter ruhig · frühjahr–herbst hochsaison ist ein Puffer von 4–5 Monatsausgaben empfehlenswert, um saisonale Tiefs ohne Stress zu überstehen.

Bei Zahlungszielen von 30 Tagen musst du im Schnitt 30 Tage vorfinanzieren. Das bindet Liquidität. Verhandle Skonto-Regelungen (z.B. 2% Skonto bei Zahlung innerhalb 10 Tagen) oder Abschlagszahlungen für größere Projekte.

🚫Häufige Fehler vermeiden

Diese Fehler sehen wir in der Handwerk immer wieder. Kenne sie — und vermeide sie:

Stundensätze zu niedrig kalkuliert: Viele Handwerker rechnen nur Bruttolohn und Material in den Stundensatz ein, vergessen aber Gemeinkosten (Fahrzeuge, Versicherungen, Büro, Werkstatt). Ein realistischer Stundensatz liegt oft 30–40 % über dem, was viele Betriebe verlangen.
Keine Abschlagsrechnungen bei größeren Projekten: Wer bei einem 30.000-€-Auftrag erst nach Fertigstellung die Schlussrechnung stellt, finanziert das Projekt komplett selbst vor. Abschlagszahlungen nach Baufortschritt sind nicht nur branchenüblich, sondern rechtlich geschützt (§632a BGB).
Nachträge nicht zeitnah dokumentieren und berechnen: Zusatzleistungen, die nicht sofort schriftlich bestätigt und berechnet werden, gehen in der Schlussrechnung oft unter oder werden vom Auftraggeber angefochten.
Bürgschaften und Sicherheitseinbehalte vergessen: Bei öffentlichen Aufträgen oder GU-Verträgen werden oft 5–10 % der Schlussrechnung als Sicherheit einbehalten — dieses Geld fehlt in der Liquiditätsplanung und kommt erst nach 2–5 Jahren zurück.
Materialpreise nicht aktualisiert: Wer Angebote mit Materialpreisen von vor 6 Monaten kalkuliert, verliert bei steigenden Rohstoffpreisen (Kupfer, Holz, Stahl) bares Geld. Materialkostengleitklauseln in Angeboten schützen Ihre Marge.
Keine Bonitätsprüfung bei Neukunden: Im Handwerk ist jeder Auftrag eine Kreditvergabe an den Kunden. Bei Aufträgen über 5.000 € lohnt sich eine Bonitätsauskunft — die Kosten von 10–30 € verhindern möglicherweise einen Forderungsausfall von Tausenden Euro.

Generelle Fehler in der Liquiditätsplanung

Zu optimistisch planen: Kalkuliere immer mit 10–20% weniger Einnahmen als erwartet.
USt-Zahlungen vergessen: Die Zahllast kommt zeitversetzt und kann bei vierteljährlicher Abgabe empfindlich hoch sein.
Einmalzahlungen übersehen: Steuervorauszahlungen (Q1, Q2, Q3, Q4), Versicherungsprämien, Jahreslizenzen, GEZ, Kammerbeiträge.
Plan nicht aktualisieren: Aktualisiere deinen Plan mindestens monatlich mit den tatsächlichen Zahlen. Ein veralteter Plan ist wertlos.
Privat und geschäftlich mischen: Privatentnahmen sind Ausgaben — plane sie ein, sonst verfälscht du deinen Cashflow.

🚀Deine nächsten Schritte

Dieser Planer gibt dir einen soliden Start. Hier ist deine Checkliste:

Implementieren Sie ein konsequentes Abschlagsrechnungssystem: Bei jedem Auftrag über 5.000 € stellen Sie nach definierten Meilensteinen Abschlagsrechnungen — vereinbaren Sie die Zahlungsmodalitäten bereits im Angebot.
Richten Sie ein automatisiertes Mahnwesen ein: Zahlungserinnerung nach 7 Tagen, erste Mahnung nach 14 Tagen, zweite Mahnung nach 21 Tagen — jeder Tag Zahlungsverzug kostet Sie effektiv Geld.
Erstellen Sie für die nächsten 13 Wochen eine wöchentliche Liquiditätsvorschau, in der alle bekannten Einnahmen (offene Rechnungen, Abschlagszahlungen) und Ausgaben (Löhne, Material, Leasing) aufgeführt sind.
Prüfen Sie Factoring als Liquiditätsinstrument: Für 1–3 % Gebühr erhalten Sie den Rechnungsbetrag sofort — besonders sinnvoll bei Großprojekten mit langen Zahlungszielen.
Führen Sie eine Auftragsdeckungsbeitragsrechnung ein: Kalkulieren Sie für jeden Auftrag den tatsächlichen Deckungsbeitrag nach Abzug aller direkten Kosten — unrentable Aufträge erkennen Sie so, bevor sie die Liquidität belasten.
Verhandeln Sie mit Ihrem Materialgroßhändler Jahreskonditionen mit Rückvergütung: Bei planbaren Einkaufsvolumina gewähren viele Großhändler 3–5 % Jahresrückvergütung, die Ihre Marge spürbar verbessert.

Monatliche Routine

Anfang des Monats: Ist-Werte des Vormonats eintragen und Plan vs. Ist vergleichen
Abweichungen analysieren: Warum war der Umsatz höher/niedriger? Was hat sich bei den Kosten geändert?
Prognose anpassen: Die nächsten 3–6 Monate auf Basis der neuen Erkenntnisse aktualisieren
Maßnahmen planen: Bei drohendem Engpass frühzeitig handeln (Kredit, Zahlungsaufschub, Umsatzaktion)
CSV-Export für den Steuerberater und das eigene Archiv
Weiterführend
Für die Integration mit Echtzeit-Bankdaten und automatische Abweichungsanalysen empfehlen wir spezialisierte Liquiditätsplanungs-Software wie Finban oder Agicap.