LP
LiquiditaetsplanerImported from WordPress
Start

/

Blog

/

Artikel

Artikel

Von Excel zur Monte-Carlo-Simulation: Fortgeschrittene Szenarioplanung für ambitionierte KMU

10.3.2026

Die klassische Szenarioplanung mit drei Szenarien ist ein guter Start. Doch sie hat eine Schwäche: Sie zeigt nur drei diskrete Punkte, nicht die gesamte Bandbreite möglicher Ergebnisse. Monte-Carlo-Simulationen schließen diese Lücke.

Die Grenzen der klassischen 3-Szenarien-Planung

  • Nur 3 Datenpunkte — die Wahrheit liegt oft dazwischen
  • Keine Wahrscheinlichkeiten — wie wahrscheinlich ist der Worst Case?
  • Korrelationen fehlen — was, wenn Umsatz UND Kosten gleichzeitig variieren?
  • Scheingenauigkeit — der Base Case wird oft als „wahrscheinlich" behandelt

Was ist eine Monte-Carlo-Simulation?

Statt drei fester Szenarien simulieren Sie 1.000+ zufällige Kombinationen aller Variablen. Jede Variable bekommt eine Wahrscheinlichkeitsverteilung:

  • Umsatzwachstum: Normalverteilung, Mittelwert 5 %, Standardabweichung 8 %
  • DSO: Gleichverteilung zwischen 30 und 55 Tagen
  • Materialkostenentwicklung: Dreiecksverteilung (Min: 0 %, wahrscheinlich: 3 %, Max: 15 %)

Das Ergebnis: Statt drei Szenarien erhalten Sie eine Wahrscheinlichkeitsverteilung Ihrer zukünftigen Liquidität.

Ergebnisse interpretieren

PerzentilLiquidität Ende Q4Bedeutung
P5 (Worst 5 %)−45.000 €In 5 % der Simulationen: Zahlungsunfähig
P2585.000 €In 25 % der Fälle: unter 85.000 €
P50 (Median)165.000 €Die „mittlere" Erwartung
P75230.000 €In 25 % der Fälle: über 230.000 €
P95 (Best 5 %)340.000 €Nur bei sehr günstiger Entwicklung

Die entscheidende Zahl: P5 = −45.000 €. Das bedeutet: Es besteht ein 5%iges Risiko, dass Sie 45.000 € zusätzliche Liquidität benötigen. Ihre Liquiditätsreserve und Kreditlinie sollten diesen Betrag abdecken.

Umsetzung in Excel

Einfache Monte-Carlo-Simulation in Excel:

  1. Cashflow-Modell als Formeln aufbauen
  2. Schlüsselvariablen durch ZUFALLSBEREICH() oder NORM.INV(ZUFALLSZAHL()) ersetzen
  3. Datentabelle mit 1.000 Iterationen erstellen
  4. Ergebnisse mit Histogramm visualisieren
  5. Perzentile mit QUANTIL()-Funktion berechnen

Umsetzung in Google Sheets

Ähnlich wie Excel, mit RANDBETWEEN() oder NORMINV(RAND()). Google Sheets hat den Vorteil, dass mehrere Personen gleichzeitig an den Annahmen arbeiten können.

Wann lohnt sich der Aufwand?

  • Ja: Ab 2+ Mio. € Umsatz, bei wichtigen Investitionsentscheidungen, bei Bankgesprächen
  • Nein: Für die tägliche Liquiditätssteuerung — hier reicht die 13-Wochen-Planung

Fazit

Monte-Carlo-Simulationen klingen komplex, sind aber in Excel oder Google Sheets mit überschaubarem Aufwand umsetzbar. Sie liefern fundierte Wahrscheinlichkeitsaussagen statt dreier Schätzwerte — und ermöglichen damit bessere Entscheidungen über Reserven, Kreditlinien und Investitionen.

Zurueck zur Blog-Uebersicht