Die indirekte Cashflow-Berechnung startet beim Jahresüberschuss und bereinigt ihn Schritt für Schritt um nicht-zahlungswirksame Posten. Das klingt theoretisch — ist aber mit der richtigen Anleitung in 30 Minuten umsetzbar.
Das Grundprinzip
Die GuV zeigt den Gewinn nach dem Periodenprinzip — Umsätze werden erfasst, wenn sie entstehen, nicht wenn Geld fließt. Die indirekte Methode korrigiert genau diese Unterschiede und beantwortet die Frage: Wie viel Geld ist tatsächlich geflossen?
Schritt 1: Jahresüberschuss als Ausgangspunkt
Nehmen Sie den Jahresüberschuss (oder Periodenüberschuss) aus Ihrer GuV. Beispiel: 120.000 €
Schritt 2: Abschreibungen addieren
Abschreibungen mindern den Gewinn, sind aber kein Geldabfluss — das Geld wurde beim Kauf der Anlage gezahlt, nicht bei der Abschreibung.
Abschreibungen: + 45.000 €
Schritt 3: Veränderung der Rückstellungen
Zuführungen zu Rückstellungen (z. B. für Steuern, Gewährleistungen) sind Aufwand, aber noch kein Geldabfluss. Auflösungen umgekehrt.
Erhöhung Rückstellungen: + 15.000 €
Schritt 4: Veränderung des Working Capitals
Hier wird es spannend — das Working Capital zeigt, wie viel Kapital im operativen Umlauf gebunden ist:
- Forderungen gestiegen um 30.000 €: − 30.000 € (mehr Geld gebunden)
- Vorräte gesunken um 10.000 €: + 10.000 € (Kapital freigesetzt)
- Verbindlichkeiten L&L gestiegen um 20.000 €: + 20.000 € (spätere Zahlung = mehr Liquidität)
Schritt 5: Zusammenführung
| Position | Betrag |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 120.000 € |
| + Abschreibungen | 45.000 € |
| + Rückstellungserhöhung | 15.000 € |
| − Forderungsanstieg | −30.000 € |
| + Vorratsabbau | 10.000 € |
| + Verbindlichkeitenanstieg | 20.000 € |
| Operativer Cashflow | 180.000 € |
Der operative Cashflow (180.000 €) ist deutlich höher als der Gewinn (120.000 €) — hauptsächlich wegen der Abschreibungen, die den Gewinn gedrückt haben, ohne Geld zu kosten.
Vom operativen Cashflow zum Free Cashflow
Der Free Cashflow zeigt, was nach Investitionen übrig bleibt:
Free Cashflow = Operativer Cashflow − Investitionen (CapEx)
Bei 60.000 € Investitionen: Free Cashflow = 180.000 € − 60.000 € = 120.000 €
Dieser Betrag steht für Schuldentilgung, Ausschüttungen oder den Aufbau einer Liquiditätsreserve zur Verfügung.
Häufige Fehler
- Vorzeichen verwechseln: Forderungsanstieg = negativer Cashflow-Effekt (Geld gebunden)
- Nicht-operative Posten einbeziehen: Anlagenverkäufe gehören in den Investitions-Cashflow
- Einmaleffekte übersehen: Außerordentliche Erträge oder Aufwendungen separat behandeln
Diese und weitere Fehler werden im Artikel Die 7 häufigsten Fehler bei der Cashflow-Prognose ausführlich behandelt.
Wann die indirekte Methode einsetzen?
- Für das jährliche Reporting und die Kapitalflussrechnung
- Im Bankgespräch — Kreditgeber erwarten diese Darstellung
- Zur Analyse, ob Wachstum Cashflow generiert oder vernichtet
Für die kurzfristige operative Steuerung ist die direkte Methode besser geeignet — idealerweise in Form einer 13-Wochen-Liquiditätsplanung.
Fazit
Die indirekte Cashflow-Berechnung folgt einer klaren, wiederholbaren Logik. Einmal verstanden, ist sie ein mächtiges Instrument zur Analyse der tatsächlichen Geldströme Ihres Unternehmens.