LiquiditaetsplanerSmarte Liquiditätssteuerung
Start/Blog/Artikel
Artikel

Liquiditätsgrade 1, 2 und 3 einfach erklärt

Liquiditätsplaner11.3.2026·4 Min. Lesezeit

Die Liquiditätsgrade gehören zu den wichtigsten Bilanzkennzahlen und geben Aufschluss darüber, inwieweit ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten aus dem Umlaufvermögen decken kann. Man unterscheidet drei Stufen, die sich durch den Umfang der einbezogenen Vermögenswerte unterscheiden. Je höher der Grad, desto mehr Positionen fließen in die Berechnung ein.

Liquidität 1. Grades (Barliquidität / Cash Ratio)

Die Liquidität 1. Grades — auch Barliquidität oder Cash Ratio genannt — ist die strengste Kennzahl. Sie setzt ausschließlich die sofort verfügbaren Zahlungsmittel ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Formel

Liquidität 1. Grades = (Flüssige Mittel / Kurzfristige Verbindlichkeiten) × 100

Zu den flüssigen Mitteln zählen:

  • Kassenbestand
  • Bankguthaben (Girokonten)
  • Schecks
  • Kurzfristig handelbare Wertpapiere

Richtwert

Der Richtwert liegt bei mindestens 20 %. Ein Wert von 20 % bedeutet, dass ein Fünftel der kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort aus Barmitteln beglichen werden könnte. In der Praxis liegen viele Unternehmen zwischen 10 % und 30 %. Ein zu hoher Wert (über 50 %) kann auf ineffiziente Kapitalnutzung hindeuten.

Beispiel

Die Weber AG hat folgende Bilanzpositionen:

  • Kassenbestand + Bankguthaben: 150.000 €
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten: 600.000 €

Liquidität 1. Grades = (150.000 / 600.000) × 100 = 25 %

Die Weber AG liegt mit 25 % über dem Richtwert — die Barliquidität ist ausreichend.

Liquidität 2. Grades (Quick Ratio / Einzugsliquidität)

Die Liquidität 2. Grades erweitert die Betrachtung um die kurzfristigen Forderungen. Damit wird berücksichtigt, dass Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Regel innerhalb von 30 bis 90 Tagen in Zahlungsmittel umgewandelt werden.

Formel

Liquidität 2. Grades = (Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen) / Kurzfristige Verbindlichkeiten × 100

Richtwert

Der Richtwert liegt bei mindestens 100 %. Das bedeutet: Flüssige Mittel und kurzfristige Forderungen zusammen sollten ausreichen, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten vollständig zu decken. Ein Wert unter 100 % ist ein Warnsignal — das Unternehmen ist dann auf den Verkauf von Vorräten angewiesen, um seine kurzfristigen Schulden zu begleichen.

Beispiel

Fortführung des Weber-AG-Beispiels:

  • Flüssige Mittel: 150.000 €
  • Kurzfristige Forderungen: 350.000 €
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten: 600.000 €

Liquidität 2. Grades = (150.000 + 350.000) / 600.000 × 100 = 83,3 %

Mit 83,3 % liegt die Weber AG unter dem Richtwert. Ohne Verkauf von Vorräten könnten nicht alle kurzfristigen Verbindlichkeiten bedient werden. Hier besteht Handlungsbedarf.

Liquidität 3. Grades (Current Ratio / Umlaufliquidität)

Die Liquidität 3. Grades bezieht das gesamte Umlaufvermögen ein — also auch Vorräte wie Rohstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Waren.

Formel

Liquidität 3. Grades = (Umlaufvermögen / Kurzfristige Verbindlichkeiten) × 100

Richtwert

Der Richtwert liegt bei mindestens 120 %. Der Aufschlag gegenüber 100 % erklärt sich dadurch, dass Vorräte nicht immer zum Buchwert und nicht immer schnell liquidiert werden können. Ein Sicherheitspuffer ist daher notwendig.

Beispiel

Weber AG — vollständige Bilanzpositionen:

  • Flüssige Mittel: 150.000 €
  • Kurzfristige Forderungen: 350.000 €
  • Vorräte: 280.000 €
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten: 600.000 €

Liquidität 3. Grades = (150.000 + 350.000 + 280.000) / 600.000 × 100 = 130 %

Mit 130 % liegt die Weber AG über dem Richtwert von 120 %. Das gesamte Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten ausreichend ab.

Alle drei Grade im Vergleich

KennzahlZählerNennerRichtwert
1. Grades (Cash Ratio)Flüssige MittelKurzfr. Verbindlichkeiten> 20 %
2. Grades (Quick Ratio)Flüssige Mittel + kurzfr. ForderungenKurzfr. Verbindlichkeiten> 100 %
3. Grades (Current Ratio)Umlaufvermögen (gesamt)Kurzfr. Verbindlichkeiten> 120 %

Interpretation und typische Fehler

Die Liquiditätsgrade sind statische Kennzahlen — sie zeigen einen Stichtag und keine Entwicklung. Deshalb sollten sie immer im Zeitverlauf betrachtet werden. Ein einzelner Wert sagt wenig aus; erst der Trend macht Probleme oder Verbesserungen sichtbar.

Häufige Fehlinterpretationen

  • Hohe Liquiditätsgrade sind immer gut: Falsch. Extrem hohe Werte deuten auf gebundenes Kapital hin, das keine Rendite erwirtschaftet.
  • Forderungen sind so gut wie Bargeld: Falsch. Forderungsausfälle, verspätete Zahlungen oder Klumpenrisiken bei einzelnen Großkunden können die tatsächliche Liquidität erheblich von der bilanziellen abweichen lassen.
  • Branchenvergleich ignorieren: Ein Handelsunternehmen mit hohen Lagerbeständen hat naturgemäß andere Liquiditätsgrade als ein Beratungsunternehmen ohne Vorräte.

Branchenspezifische Richtwerte

Branche1. Grad (typisch)2. Grad (typisch)3. Grad (typisch)
Einzelhandel5–15 %40–80 %120–180 %
Maschinenbau10–25 %80–120 %130–200 %
IT-Dienstleistung30–60 %120–180 %130–190 %
Gastronomie10–20 %50–90 %80–120 %

Fazit: Die drei Liquiditätsgrade richtig einsetzen

Die drei Liquiditätsgrade bilden ein abgestuftes System zur Bewertung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit. Für eine aussagekräftige Analyse sollten alle drei Kennzahlen gemeinsam betrachtet werden. Große Differenzen zwischen den Graden — etwa ein niedriger 1. Grad bei hohem 3. Grad — deuten auf eine starke Abhängigkeit von Vorräten hin. In Kombination mit einer dynamischen Liquiditätsplanung liefern die Liquiditätsgrade ein solides Fundament für die Unternehmenssteuerung.

Für die Praxis empfiehlt sich, die drei Liquiditätsgrade monatlich zu berechnen und in einem Dashboard zu visualisieren. So werden Trends sofort sichtbar: Sinkt die Liquidität 2. Grades über mehrere Monate kontinuierlich, obwohl der 3. Grad stabil bleibt, deutet das auf steigende Lagerbestände bei gleichzeitig schrumpfenden liquiden Mitteln hin — ein klassisches Frühwarnsignal. Nutzen Sie die Kennzahlen als Ausgangspunkt für eine tiefere Analyse und leiten Sie konkrete Maßnahmen ab, bevor die Situation kritisch wird.

Zurueck zur Blog-Uebersicht